Hallo, mein Name ist Yann Colonna. Ich bin Künstler und Urbanist.

Während des Studiums wurde ich mit den Mechanismen der Stadtplanung und des Städtebaus vertraut gemacht. Zugleich erforderte der Interdisziplinäre Ansatz der Bauhaus Universität eine Erweiterung des Selbstbild des Stadtplaners. Anstelle des Regulierens und Entwerfens, wurde das Beteiligen, Debattieren und Verhandeln an erste Stelle gestellt. Planungswerkstätten, Ideenwettbewerbe, kollektive Wunschproduktion, Öffentlichkeitsarbeit und Kollaboration standen an der Tagesordnung. Durch Interdisziplinäre Projekte lernte ich auch die Sichtweise von Architekten, Ingenieuren und Künstler auf Stadtentwicklung kennen. Ein Studienjahr in Mexiko-Stadt machten globale Verstrickungen zur persönlichen Erfahrung. Als Schlussfolgerung aus all diesen Erfahrungen sehe ich den Auftrag von Urbanist_Innen darin, einer gespaltenen Stadtgesellschaft durch Teilhabe an der Stadtentwicklung zusammenzuführen. Die Kunst besteht darin, die Visionen und Träume des Einzelnen zu einer gemeinsamen Vision zusammenzuführen. 

Bremens ehemalige Galopprennbahn sorgt seit einiger Zeit für Aufsehen. Nach dem Volksentscheid über eine Bebauung des rund 36 Hektar großen Geländes im Mai 2019 wurden die Senatspläne verworfen. Ursprünglich wollte die Stadt hier ein modellhaftes Stadtquartier entwickeln, die Bürgerinitiative „Rennbahngelände Bremen“ plädiert hingegen für einen Sport- und Kulturpark. Mit dem Volksentscheid haben sich die Bremer*Innen gegen eine Bebauung endschieden.

Bis auf Weiteres wurde die ZwischenZeitZentrale beauftragt eine Zwischennutzung zu organisieren mit dem Ziel, kreative Projekte in Bremen zu fördern und die Fläche für möglichst viele Bremer*innen erlebbar zu machen. Gleichzeitig wird im Hintergrund weiter debattiert: Was soll in Zukunft auf der Galopprennbahn passieren? Und wer hat das zu entscheiden?

Die Zwischennutzung mit dem Titel ‘Galop De Porc’ ist mehr als eine Zwischenlösung. Häufig ergeben sich aus den Projekte, die von der ZwischenZeitZentrale koordiniert wurden, Nachnutzung. In jedem Fall aber, ist die Zwischennutzung nach Bremer Façon ein Katalysator für Stadtentwicklung. Sie finden dort statt, wo Transformation schon im vollen Gange, oder auch schon abgeschlossen ist, und entickeln mit frischen Zwischennutzer*Innen anschlussfähige Visionen. Eine behutsame, auf Veränderung zugeschnittene, Stadtentwicklungspolitik. 

Für mich als Künstler und Urbanist ist die Zwischennutzung  auf der ehemaligen Galopprennbahn ein perfekter Ausgangspunkt um meine Selbstständigkeit aufzubauen. Hier möchte ich Beispielhaft vormachen wie meine Auslegung des interdisziplinären zuammenspiel von Kunst und Urbanistik als Werkzeug für Urbane Transformation  funktioniert.

Auf dem Gelände der ehemaligen Galopprennbahn bietet die Oberschule Sebaldsbrück mit ihrem Schulverein die „Schule am See“, einen außerschulischen Lernort für Kinder zwischen 12 und 14 Jahren, an. An Projekttagen werden die Kinder auf die Freifläche geführt, wo sie mit den Lehrkräften, Freiwilligen aus dem Elternbeirat und Kooperationspartnern an unterschiedlichen Projekten arbeiten. In Zentrum des pädagogischen Konzeptes, stehen Selbstorganisation, Umweltbildung und praktische Handarbeit.

Das gesamte Projekt erhielt erst vor kurzem grünes Licht und befindet sich noch im Aufbau. Verschiedenste Projektideen werden dank des Engagement der Elternschaft, des Lehrpersonals und den Schulkindern umgesetzt. Weitere Kooperationen und Förderrungen werden aktuell koordiniert und beantragt.

Mein Ziel ist es, im Jahr 2022 eine temporärer Weideschweinehaltung unter Palmen auf der Galopprennbahn aufzubauen.

Was vielleicht erstmal wie ein lustige Spinnerei klingt, ist ein wohl überlegtes und inhaltlich komplexes Gebilde, das für viele Galopprennbahn-spezifische Themen anschluss bietet. Palmen und Schweine sind hoch aufgeladene Symbole, die als Anker im kollektiven Imaginär fungieren. Sie sind als symbole der Zugehörigkeit Teil des gesellschaftlichen Selbstverständisses; Sie stehen für Konsumgüter, die durch den Klimawandel in Frage gestellt werden; Sie sind wichtige Symbole des Imperialismus und des Kolonialismus;

Durch einen Veranstaltungszyklus mit dem Titel “PPP – Palabre de Porc et de Palmiers” sollen diese Themen im Kontext der Galopprennbahn debatiert werden. Dabei geht es vor allem darum, Menschen für die Galopprennbahn zu begeistern und einen Stadtentwicklungsimpuls zu generieren.

Die komplexität des Projektes und die  durch Covid-19 und Schweinepest verursachten Sicherheitsmaßnahmen, haben mich dazu veranlasst zunächst mit einem Pilotprojekt zu starten. Mit “Pigweed&Palmenkohl” werde ich mit der Oberschule Sebaldsbrück und allen, die sich dem Projekt anschließen möchten, die nötige inhaltliche und infrastrukturelle Grundlage für die Schweinehaltung schaffen.